Gedankenbilder
sonnencreme- und pommesgeruch,
ein holzsteg, badeuntensilien,
zwei weiße schwäne
quietschende kinder, von ihren müttern im auge behalten,
ein sich ausdauernd küssendes pärchen im wasser
(einander abwechselnd vor dem untergang rettend),
vorbeihuschende lackierte zehennägel und tätowierte oberarme,
ein vater, seiner tochter das schwimmen beibringend
(noch ein tempo! bravo!),
füllige leiber in engen badekostümen,
stolzierende burschen mit auftrainierten muskeln,
scheinbar gelangweilte schönheiten in winzigen bikinis
eine aus den augenwinkeln blinzelnde frau
als teil der inszenierung
Gedankenbilderbuche - 19. Aug, 14:15
eine reise in ein anderes land
als händedruck von andersland:
hab einen guten tag
und stell dich auf mich ein
deine schönheit ist liebenswert und spröde,
süß und fett dein geschmack,
lebhaft die stimme,
der atem feucht und lau
spät in der nacht
mischt sich der duft des daheimseins
mit dem klang der ferne
Gedankenbilderbuche - 14. Aug, 09:28
wozu schreiben,
wozu buchstaben benutzen
und zu akrobaten werden lassen,
zu seiltänzern und clowns,
mit roten nasen und dicken tränen,
wenn ich dir alles sagen kann?
wenn ich dir alles sagen kann,
mit meiner stimme,
wenn ich flüstere und du mir zuhörst,
wenn ich dich rufe und du mir antwortest,
warum soll ich dann noch schreiben?
es ist das ansprechende,
unsagbare und unsägliche,
zwischen den zeilen verborgene,
vor meinen augen entstehende
unsichtbare wort,
das mich neu buchstabieren lehrt
deshalb ist es pure lust
für dich zu schreiben,
für dich,
der du mir fern und doch so nahe bist,
du bekannter, unbekannter mensch
Gedankenbilderbuche - 7. Jul, 13:53
wie schwierig,
wie unbequem,
wenn nichts bleiben soll
wie bisher
alles ist da,
sagen die sehnsuchtslosen,
und du weißt nicht wo
hin
du treibst
haltlos zu denen,
die dich nicht erwarten
oder vielleicht …?
Gedankenbilderbuche - 9. Jun, 14:43
beinahe
habe ich nicht bemerkt,
dass mir dein fels
im abendrot
sein schönstes glühen
schenkt
schon wieder
hast du mich gelehrt
im tun
einfach nur
zu sein
aufmerksam zu sein
Gedankenbilderbuche - 18. Mai, 21:34
an den lippen zartbitter zerronnene träume
in den frühling geseufzt,
in blüten versenkt
ich würd dir glatt eine latte von meinem küchenboden schenken
und ein gardinensegel aus meinem schlafzimmer,
damit du mein vorhangschloss erreichen kannst,
wenn die brandung an die hausmauer peitscht
doch du, undankbare?
surfst lustlos davon, mit deinem eigenen brett
vor dem kopf
der enttäuschte zimmert ein baumhaus,
fichte in kirsche,
mit einem vorhanglosen fenster
und übers jahr duftet tröstend der mai
Gedankenbilderbuche - 2. Mai, 19:50
niemals gefragt
nicht gehaucht
nicht geseufzt
bloß in den wind gedacht
mit verschlossenen lippen
lässt sich die unmöglichkeit
auf deinen schultern nieder
zunächst unmerklich leicht
doch mit dem zunehmen des mondes
und dem abnehmen der geduld
krümmt sich dein rücken
unter der last
der unmöglichkeitsvariante
einer lebensmöglichkeit
die ungestellte frage
beschämt dich mit ihren antworten
die geschwister bekommen haben
(un)möglichkeitsgeschwister
sie nistet sich ein in deinen ohren
mit ihrer (un)möglichkeitsfamilie
und flüstert dir vielstimmig zu:
warum?
Gedankenbilderbuche - 14. Apr, 18:23
das billige angebot
plärrt im dreckigen geschäft
lieblos verramscht,
zum spottpreis
gierig sammeln sie vorräte für düstere zeiten,
in denen sie nicht mehr gebraucht werden,
die teuren menschen
denn irgendwo sind die düsteren orte,
wo es keine billigen geschäfte mehr gibt,
sondern dreckige gemacht werden
mit billigen menschen
preiswert vermarktet
Gedankenbilderbuche - 5. Apr, 16:15
ein blick gewährt
einblick im rückblick
auf geschehenes,
vorübergezogenes,
unbarmherzig und gnädig
im untergang den aufgang
blendend gespiegelt
Gedankenbilderbuche - 23. Mär, 19:18
wie gern würde ich
mit einem wort alles sagen können,
das einfachste und das schwierigste
ich ahne,
wenn ich alle sprachen dieser welt
begleiten dürfte, um zu verstehen,
könnte ich es selbst befragen,
auf der suche nach seiner existenz
ich zweifle,
ob ich bereits
an ihm vorübergegangen bin
und meine augen blind
und meine ohren taub
gewesen sind
ich schwanke,
ob ich umkehren oder
ob ich weitergehen soll
ich ringe,
doch in der sekunde der entscheidung
spüre ich es auf,
das beginn-ende
jetzt
Gedankenbilderbuche - 4. Mär, 16:54